Wer seine Website für KI-Systeme zugänglich machen will, muss verstehen, was für Bots eigentlich ankommt. Die Antwort ist komplexer als gedacht: Cloudflare, das rund 20 % des globalen Webtraffics verarbeitet, hat über 40 dokumentierte AI-Crawler identifiziert - von großen Playern wie OpenAI und Anthropic bis hin zu wenig bekannten Systemen, die im Hintergrund agieren. Dazu kommen Stealth-Crawler, die sich als normale Browser ausgeben. Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick.
OpenAI betreibt drei verschiedene Bots mit unterschiedlichen Zwecken. GPTBot ist der Trainings-Crawler: Er sammelt Webinhalte für das Training zukünftiger GPT-Modelle. Wer GPTBot in robots.txt blockiert, verhindert, dass seine Inhalte in zukünftige Modelle einfließen - hat aber keinen direkten Einfluss auf aktuelle ChatGPT-Antworten. OAI-SearchBot ist der Echtzeit-Such-Crawler für ChatGPT mit Browsing-Funktion und SearchGPT. Dieser Bot ist für aktuelle Sichtbarkeit in ChatGPT-Antworten direkt relevant. ChatGPT-User ist der User-Agent, der erscheint, wenn ChatGPT im Gespräch aktiv URLs aufruft. Anthropic (Hersteller von Claude) betreibt ClaudeBot als primären Crawler und anthropic-ai als sekundären User-Agent. Beide sammeln Daten für Claude-Training und die Retrieval-Funktionen von Claude.ai. Anthropic ist transparent über seine Crawler und veröffentlicht IP-Bereiche für Whitelisting. Perplexity betreibt PerplexityBot als Hauptcrawler und Perplexity-User als aktiven Browser-Agent. Google-Extended ist ein Bot, über den Google explizit steuert, ob Seiteninhalte für das Training von Gemini und anderen Google-KI-Systemen verwendet werden. Kritisch zu verstehen: Google-Extended beeinflusst NICHT das Google-Suchranking und NICHT KI-Antworten in Suchergebnissen. Er steuert ausschließlich das KI-Training. Microsoft Bingbot ist der klassische Bing-Crawler, der auch für Copilot-Trainingsdaten verwendet wird. Bytespider ist der Crawler von ByteDance (TikTok-Mutterkonzern) - wer möchte, kann ByteDance-Crawler explizit blockieren, ohne andere KI-Systeme zu beeinflussen.
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Nicht alle KI-Crawler geben sich als solche zu erkennen. Laut Cloudflare-Daten aus dem Jahr 2025 verwenden zwischen 5 und 8 % aller KI-bezogenen Crawling-Anfragen gefälschte User-Agents - sie geben sich als reguläre Browser aus (Chrome, Firefox, Safari), obwohl sie automatisierte Crawler sind. Das bekannteste Beispiel ist Perplexity. Investigative Recherchen (zuerst von Wired im Jahr 2024 berichtet) haben gezeigt, dass Perplexity teilweise über einen headless Chrome-Browser auf Websites zugreift, der eine normale Browser-Kennung sendet. Für Websitebetreiber bedeutet das: robots.txt-Regeln, die auf User-Agent-Matching basieren, werden von Stealth-Crawlern umgangen. Wer bestimmte KI-Crawler blockieren will, braucht IP-basierte Sperrregeln - aber die IP-Bereiche sind nicht immer öffentlich dokumentiert. Warum tun KI-Unternehmen das? Aus praktischen Gründen: Viele Websites haben JavaScript-Rendering, Login-Walls oder Anti-Bot-Maßnahmen, die nur gegenüber bekannten Crawler-User-Agents greifen. Ein Browser-basierter Crawler kommt durch diese Barrieren, wo ein regulärer Crawler scheitert. Das ist technisch effektiv - aber ethisch und rechtlich problematisch, insbesondere im Hinblick auf Nutzungsbedingungen. Für die eigene Strategie: Wenn Sie KI-Sichtbarkeit anstreben, spricht das gegen aggressive Bot-Blocking-Maßnahmen. Konzentrieren Sie sich darauf, gewünschten Crawlern den Zugang zu erleichtern - statt unerwünschten Crawlern den Zugang zu erschweren (was bei Stealth-Crawlern ohnehin kaum möglich ist).
Für die meisten Websites empfehlen wir eine Selective-Allow-Strategie: Alle legitimen KI-Crawler erlauben, außer jenen, für die spezifische Gründe zur Blockierung vorliegen (z. B. ByteDance aus politischen Gründen, oder Training-Crawler wenn Sie keine Trainingsdaten liefern wollen). Eine praxistaugliche robots.txt-Konfiguration erlaubt explizit: GPTBot, OAI-SearchBot, ClaudeBot, anthropic-ai, PerplexityBot und Google-Extended jeweils mit Allow: / - und blockiert Bots wie ByteSpider mit Disallow: /. Wichtig: Erlauben Sie KI-Crawler auf Produktseiten, Servicebeschreibungen und öffentlichen Inhaltsseiten. Blockieren Sie weiterhin intern: /checkout/, /account/, /admin/, /api/ und interne Suchergebnisseiten - das ist in Ihrem Interesse (keine interne Suche in KI-Trainingsdaten) und im Interesse der Crawler (keine qualitativ minderwertigen Indexierungsseiten). Ein neueres Konzept, das Aufmerksamkeit verdient: Pay-Per-Crawl. Cloudflare hat 2025 'AI Crawl Control' eingeführt - ein System, das Website-Betreibern ermöglicht, KI-Crawlern den Zugang zu erlauben, dafür aber eine Gebühr zu verlangen. Das Konzept ist noch früh-Stadium (die meisten KI-Anbieter unterstützen es noch nicht), aber es zeigt die Richtung: Webinhalte sind wertvolle Trainingsdaten, und die Frage der Vergütung für Content-Ersteller wird in den kommenden Jahren regulatorisch und marktlich gelöst werden. Wer seine Crawler-Logs jetzt sorgfältig führt, hat eine bessere Ausgangsbasis für spätere Verhandlungen über Content-Lizenzierungsmodelle.
Die AI-Crawler-Landschaft ist unübersichtlicher als die meisten Websitebetreiber ahnen. Über 40 dokumentierte Bots, plus Stealth-Crawler, die sich als Browser ausgeben - das ist die Realität von 2025/2026. Die beste Strategie für die meisten Unternehmen: Wichtige KI-Crawler explizit erlauben (GPTBot, OAI-SearchBot, ClaudeBot, PerplexityBot), Crawler-Logs regelmäßig auswerten, strukturierte Daten bereitstellen, die das Crawling effizient machen, und die Entwicklung von Pay-Per-Crawl-Modellen im Blick behalten. Wer seine KI-Crawler-Strategie heute definiert, ist morgen besser positioniert.
GEO Score kostenlos prüfenMarvin Malessa
Gründer, Beconova
Gründete Beconova 2025 in Deutschland, um Shops und Dienstleistern den Weg in KI-Suchmaschinen zu öffnen. Schreibt über GEO, KI-Sichtbarkeit und die Zukunft der Suche.
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